1860 Pommersche Landschafe

die erste Erwähnung der Pommerschen Landschafe findet sich 1860 bei Leopold Fitzinger. Fitzinger hat von 1859-1860 vier Bände „Über die Racen des zahmen Schafes“ geschrieben, in welchen er viele Rassen erstmals detailliert beschreibt.

Fitzinger verweist auf ältere Quellen, in denen die Schafe aber noch polnische Schafe genannt wurden: 1818, Germershausen, Das Ganze der Schafzucht , 1818, Walther, Annalen der Wetterauischen Gesellschaft der sich wiederum auf Stumpf bezieht : 1785 Georg Stumpf (S. 58f) Versuch einer pragmatischen Geschichte der Schäfereien in Spanien und der Spanischen in Sachsen, Anhalt-Dessau

"Das polnische Landschaf ist klein, hat keine Wolle am Kopf, wenig Bauchwolle und die Wolle ist grob". Über die Farbe wird nicht berichtet. Erwähnenswert finde ich Germershausens folgende Feststellung (1818!): „die Veredelung der Schafe ist soweit gediehen, dass man die ursprünglichen kaum noch findet. Vor den spanischen wurden bergamer, paduaner, friesische, englische und andere Rassen eingesetzt“ (mit den spanischen sind die Merinos gemeint, Bergamer und Paduaner sind alte italienische Rassen).

Fitzinger nennt sie dann pommersche Landschafe und bei ihm findet man die vielzitierte Abstammung von hannoverschem Landschaf und Zaupelschaf. Interessant ist die Beschreibung des hannoverschen, ein Kapitel zuvor: er bezeichnet dieses als Blendling (Kreuzung) aus der Heidschnucke und dem Zaupelschaf! Diese Abstammung wird später von mehreren Autoren kritisiert. Die Überlegung allein aufgrund der Farbe scheint hier maßgeblich zu sein.

Beschrieben wird das pommersche Schaf von ihm wie folgt: „Der Kopf ist ziemlich klein, die Stirne flach, der Nasenrücken schwach gewölbt. Die Ohren sind nach seit-, und gewöhnlich auch nach abwärts gerichtet. Die Widder sind meistens, die Schafmütter aber weit seltener gehörnt. Die Hörnerform ist fast dieselbe als beim gemeinen deutschen Schaf. ….. Die Färbung ist verschieden, indem sie bald einfarbig röthlich- oder graulichbraun, schwarz oder gelblichweiss erscheint, bald aber auch braun oder schwarz auf weissem Grund gefleckt. Nicht selten sind der Kopf und die Beine mehr oder weniger dunkelbraun und bisweilen sogar schwarz gefärbt.“

bunte Skudden

diese Beschreibung Fitzingers hatte ich frisch im Kopf, als ich dieses Bild bunter Skudden gesehen habe. Ob sie wohl damals so ausgesehen haben? Das Foto wurde mir mit freundlicher Genehmigung von Claudia Schulte  zur Verfügung gestellt.

Diese Schafe – Zaupel, hannoversches Landschaf, Heidschnucke und eben auch pommersches Landschaf, sind klein. Die Widerristhöhe wird in Zoll und Fuß angegeben, aber da diese Maße noch nicht genormt waren, kann ich das nicht nachvollziehen. Das Gewicht wird in Pfund angegeben, und da war man wohl schon bei einem halben Kilogramm. Das Zaupelschaf sollte 40-70 Pfund haben, das hannoversche Landschaf 30 (Hammel) wohingegen Mutterschafe dieser „Race“ nur 20 Pfund schwer wurden. –Das pommersche Landschaf soll von der Größe dazwischen liegen und man kann es sich wohl in Größe eines Ouessantschafes vorstellen – die Gewichte beziehen sich auf ältere Tiere, Lämmer wurden noch nicht geschlachtet. Ouessantschafe sind die kleinste Schafrasse der Welt, werden auch Bretonisches Zwergschaf genannt. Sie gehören zur Gruppe der kurzschwänzigen Heideschafe und sollen auf der Ille d’Ouesseant vor der Bretonischen Küste entstanden sein. Man geht davon aus, dass sie aus Nahrungsmangel und Inzucht verzwergt sind- mir drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass sie als einzige Schafrasse nicht gewachsen sind.

Pommern und Ouessant

hier ein Größenvergleich Ouessant und Pommernböcke - die Bockherde von Helmut Glahmann, der beide Rassen im Herdbuch züchtet.

1863 Landwirtschaftliche Ausstellung

Im Katalog „Landwirtschaftliche Ausstellung 1863“ –die in Hamburg stattfand, finden sich neben Pferden, Rindern, Schweinen mehrere 100 Schafe (meist Merino, aber auch „moderne“ englische Rassen) darunter drei Kreuzungstiere aus pommerschem Landschaf und Lincoln. Lincolnschafe sind eine der modernen englischen Rassen. Sie zeichnen sich durch lange Wolle aus. Ein Buch mit Fotografien und Zeichnungen der Ausstellungstiere wurde herausgegeben - wie man sich denken kann ohne eine Zeichnung der pommerschen Kreuzungen….- trotzdem sehenswert! Fotografien und Zeichnungen zur Ausstellung von 1863

1878 Die Schafzucht nach ihrem jetzigen rationellen Standpunkt

I. Bohm, Lehrer für Schafzucht am landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen, hat 1878 im ersten Theil seines zweiten Bandes „Die Schafzucht nach ihrem jetzigen rationellen Standpunkt“ die damaligen Rassen beschrieben. Das Buch wurde leider nicht digitalisiert, findet sich aber z.B. in der Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Und neben dem pommerschen findet sich dort auch das hannöversche Landschaf (diesmal mit ö geschrieben) wieder und das bayrische Zaupelschaf, dessen Nachfahren wohl jetzt als Waldschaf durch die Lande laufen, als gehörnter naher Verwandter der Pommernschafe. Die Schafe sind seit Fitzingers Beschreibung ein wenig größer geworden (18 Jahre sind vergangen seit die Bände von Fitzinger herauskamen, wie alt dessen Beschreibungen waren wissen wir nicht). Bohm schreibt von 60cm Widerristhöhe beim bayrischen Zaupelschaf als Höchstmaß der Widder, die pommerschen Landschafe seien größer, sehr unterschiedlich je nach Futterangebot, aber immer etwas größer als die Zaupelschafe -- immer noch klein, wie Skudden.

die Bockherde vom Hof Ascheloh (Susanne Schneiker-Bekel und Thomas Bekel) zeigt uns die Größenunterschiede: vorne Waldschaf-Jungbock in schwarz (mit außen verbräunter Wolle), ein hell- brauner Skuddenbock mit schönem Gehörn und dahinter ein Waldschafbock mit großem Gehörn in -für diese Rasse seltenem- pommerngrau. Die Waldschafe sind heute etwa so groß wie Pommern, die Skudden so groß wie die pommerschen Landschafe zu Bohms Zeiten.

Die pommerschen Landschafe haben 1878 keine Hörner mehr und Bohm berichtet von Einkreuzungen mit Southdown, und bei einem Züchter mit Lincolnschafen. Die Schafe sind schmutzigweiß aber es gibt auch zahlreiche graue, braune und gefleckte (das braun könnte sich auch auf verbräunte Wolle schwarzer Tiere beziehen, dass es so viele braune gab ist recht unwahrscheinlich). Die Gesichter sind meist in der Farbe der Wolle aber es gibt auch gefleckte Gesichter bei einfarbigen Vliesen

1926 das grauwollige Landschaf

1926, berichtet Ulrich Gaede in einer Dissertation über die Schafe, die er grauwollige Landschafe nennt. Das rauh im Namen sei entstanden, weil sich das Vlies beim überstreichen des Tieres mit der Hand rauh anfühle, die Wolle sei aber weich, deswegen nennt er sie Grauwoller. Er bezieht sich dabei auch auf ältere Nennungen, die mir leider nicht über den Weg liefen. Gaede berichtet wo die Grauwoller wie gehalten werden, welchen Nutzen die Wolle hat, wieviel Wollertrag vom Schaf kommt, welches Futter sie brauchen etc. Zu dieser Zeit befindet sich die Zucht in gutem Stand, es gibt mehrere große Stammherden und große Schäfereien, die grauwollige Landschafe halten.
Er beschreibt es als Schaf mit schlichter Wolle, schwarzem Kopf und schwarzen Beinen. „Das Tier hat als Lamm eine schwarz gekräuselte Wolle mit bläulichem Grundton“ die helle Wolle schimmere bald nach der Geburt durch und wird dann im Laufe des ersten Jahres immer heller, „….. so dass die Wolle schließlich eine eisgraue Farbe annimmt. Beide Geschlechter sind ungehörnt, jedoch kommen hin und wieder gehörnte Böcke vor, die aber nicht erwünscht sind und zur Zucht nicht benutzt werden.“

„Anders Graue“ – ohne Mehlmaul / mit dunklerer Wolle werden nur indirekt erwähnt, aber nicht genauer beschrieben. Ebenso erwähnt er Einflüsse von Southdown, Hampshire Down und Shropshire– die beiden letzteren sind etwas modernere Englische Rassen, die u.a. auf die erste zurückgehen.

Die Dissertation von Herrn Gaede steht hier als Download zur Verfügung.

1955 Heidler

1955 erwähnt Frau Heidler (auch in einer Dissertation) auch die anderen Grautöne, ebenfalls ohne weitere Details. -1955 soll es noch 110.000 rauhwollige Landschafe gegeben haben, 1962 wurden dann zum letzten Mal auf einer Landwirtschaftsausstellung drei Rauhwollige Landschafe vorgestellt. Danach befand sich das RPL oder rauhwollige Landschaf, wie es in der DDR genannt wurde, im Untergrund.